Jahreslosung 2018
Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
          Offenbarung 21,6


Liebe Leserin, lieber Leser,

eine Runde von vier prominenten Literaturkritikerinnen und -kritikern haben vor gut einem Jahr eine neue Übersetzung der Offenbarung des Johannes besprochen. Sie waren sich einig: Mit der Vernichtung der Gottlosen und Verherrlichung der Gewalt ist das Buch der Offenbarung der Ideologie des Islamischen Staats nahe. In der Tat ist das letzte Buch der Bibel das außergewöhnlichste Buch des Neuen Testaments: Phantastische Wesen, Naturgewalten wie Hagel und Feuer und vor allem viel Vernichtung werden beschrieben. Wer nicht gerade Fantasy-Literatur wie „Herr der Ringe“ oder „Game of Thrones“ liebt, dem werden die Beschreibungen von Gewalt und Vernichtung wohl fremd bleiben. Vielleicht kann man sich an der Darstellung von Tieren als Monstern und dem Fall der Hure Babylons, an Kampf und Tod berauschen. Vielleicht spiegelt sich auch für manche Leser in diesem Text Gewalt und Unheil in unserer Welt.

Doch es ist empfehlenswert - anscheinend im Gegensatz zu den Kritikern - das Buch zu Ende zu lesen. Denn die Vernichtung des Bösen ist nicht der letzte Zweck der Geschichte. Sie wird auch nicht von den Menschen gefordert und durchgeführt, sondern sie ist Sache Gottes gegen die Gewalt und das Unrecht der Menschen. Aber vor allem ist letztlich der Sinn der Erzählung nicht Verderben und Vernichtung, sondern Heil und Gottesnähe. Gewalt und Vernichtung kommen von ihrer Überwindung her in den Blick. Nicht sie bestimmen das Leben in letzter Hinsicht, sondern die Gottesnähe. So geht es vor allem darum, sich nicht irre machen zu lassen von Gewalt und Schreckensbildern. Wir können auf Gott vertrauen, der sich dagegen durchsetzt.

Die Gottesnähe wird sehr eindrücklich mit Worten aus dem Alten Testament beschrieben: Gott wird bei den Menschen wohnen. Er wird die Tränen abwischen und Geschrei, Schmerz und Tod werden nicht mehr sein (Off. 21,34). In diesem Zusammenhang steht auch der Vers, der in diesem Jahr die Jahreslosung ist: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst (Off. 21,6).  

Nur drei Hinsichten sollen kurz in diesem Vers herausgestellt werden:

- Die Bedürftigkeit des Menschen: Wer Durst hat, der soll auch zu trinken bekommen. Neben den grundlegenden Bedürfnissen (wie Trinken und Essen) lassen sich aber weitere erkennen, z.B. Anerkennung, Freundschaft, Frieden. Die Herrschaft Gottes zeigt sich - im Gegensatz zur Gewaltherrschaft - darin, dass das Lebensnotwendige geschenkt wird.
- Lebendiges Wasser: Es ist nicht das abgestandene, geschmacklos fade Wasser, das angekündigt wird. Gegen die Schreckensherrschaft des lähmenden Todes wird lebendiges Wasser verheißen.
- Ohne Gegenleistung: Das Wort "umsonst" zeigt, dass nicht nach (religiöser) Leistung gegeben wird. Die Gottesgabe kann nicht erarbeitet werden, das lebendige Wasser gibt es gratis.
Demnach läuft die Offenbarung des Johannes gerade nicht auf Gewalt und Vernichtung zu. Sie erzählt von einer Neugestaltung der Erde, in der nicht Gewalt und Tod herrschen, sondern die Bedürftigkeit der Menschen, die Gottesnähe und die Lebendigkeit zählt. Orientierung bieten.


Mit dieser Hoffnung aus der Offenbarung wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Jahr 2018!

Ihr Pfarrer Joachim Winkler